Rechtsprechung
| BGH, 18.12.1973 - VI ZR 113/71 |
Weigand
§ 823 Abs. 1 BGB, eingeschränkte Haftung von gerichtlichen Sachverständigen;
(Hinweis: Entscheidung aufgehoben durch «Weigand [BVerfG]», vgl. seit dem 1.8.02 die gesetzliche Regelung in § 839a BGB)
Volltextveröffentlichungen (2)
- Jurion
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
Kurzfassungen/Presse (2)
- RIS Bundeskanzleramt Österreich (Leitsatz)
- rechtsportal.de (Leitsatz)
Haftung des gerichtlich bestellten Sachverständigen
Verfahrensgang
- BGH, 18.12.1973 - VI ZR 113/71
- BVerfG, 11.10.1978 - 1 BvR 84/74
Zeitschriftenfundstellen
- BGHZ 62, 54
- NJW 1974, 556
- NJW 1974, 312
- VersR 1974, 344
Wird zitiert von ... (13)
- BVerfG, 11.10.1978 - 1 BvR 84/74
Sachverständigenhaftung
des Ersten Senats vom 11. Oktober 1978 -- 1 BvR 84/74 -- in dem Verfahren über die Verfassungsbeschwerde des Dr. W ... - Bevollmächtigte: Rechtsanwältin Dr. Dr. Gerda Krüger, Am Laichholz 16, Perchting - gegen das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 18. Dezember 1973 - VI ZR 113/71 -.Entscheidungsformel: Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 18. Dezember 1973 -- VI ZR 113/71 -- verletzt den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Artikel 2 des Grundgesetzes.
Der Bundesgerichtshof geht in dem angegriffenen Revisionsurteil (BGHZ 62, 54) davon aus, das Berufungsgericht habe zugunsten des Beschwerdeführers unterstellt, daß das Gutachten objektiv unrichtig gewesen sei und daß den Beklagten insoweit der Vorwurf der Fahrlässigkeit treffe.
Diese Grenzen der verfassungsgerichtlichen Nachprüfung läßt der Beschwerdeführer außer acht, wenn er bemängelt, die Fachgerichte hätten in seinem Fall -- wie auch im Schrifttum zum Ausdruck komme (vgl. Hellmer, NJW 1974, S. 556;… Blomeyer, ZRP 1974, S. 214 [215];… kritisch Hopt, JZ 1974, S. 551) -- zu Unrecht ein bedingt vorsätzliches Handeln des Sachverständigen und die daraus anerkanntermaßen folgende Haftung verneint.
Zwar war die Literatur noch weithin der früheren Entscheidung über den Haftungsausschluß für leichte Fahrlässigkeit gefolgt (vgl. die Nachweise in dem angegriffenen Urteil); die Begründung für eine noch weitergehende Haftungsbeschränkung, die den gerichtlichen Prozeß zum "Freigelände für grob fahrlässige Gutachter" erkläre und den Geschädigten weitgehend rechtlos stelle, wird aber nunmehr als dogmatisch unrichtig und rechts politisch angreifbar kritisiert (vgl. im einzelnen Hopt, JZ 1974, S. 551; Blomeyer, ZRP 1974, S. 214; Hellmer, NJW 1974, S. 556; H. Arndt, DRiZ 1974, S. 185 und 304; Rasehorn, NJW 1974, S. 1172; Franzki, Der Sachverständige, 1974, S. 133 [139]; Stückmann, Der Sachverständige, 1974, S. 205; Schneider, Jur.
- BAG, 16.04.1986 - 4 AZR 595/84
Eingruppierung - Angestellter als Mietzinssachverständiger; als gerichtlicher …
Damit haftet aber auch der Kläger wie jeder gerichtliche Sachverständige (jedenfalls im Falle seiner Beeidigung, aber auch sonst trotz gewisser Streitfragen) nach außen gemäß § 276 BGB für Vorsatz und jede Fahrlässigkeit, wobei zu berücksichtigen ist, dass derartige Schadenersatzansprüche insbesondere in Zivilprozessen unterlegener Prozessparteien bzw. in Strafverfahren verurteilter Personen gegen darin tätig gewordene Sachverständige nicht ganz selten sind (vgl. BGHZ 62, 54, 56; BGHZ 59, 310, 312, 315;… Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO , 44. Aufl., § 402 Übers. Anm. 3 B;… Stein/Jonas/Schumann/Leipold, ZPO , 19. Aufl., vor § 402 V 3;… Jessnitzer, K., der gerichtliche Sachverständige, 7. Aufl., S. 297 und Bremer, Heinz, der Sachverständige, 2. Aufl., S. 64 ff.). - BGH, 26.06.2001 - X ZR 231/99
Zur Sachverständigenhaftung
Eine Haftung der Beklagten aus § 823 Abs. 1 BGB läßt sich auch nicht aus der von der Revision angeführten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 11. Oktober 1978 (NJW 1979, 305) herleiten, mit der das Bundesverfassungsgericht das Urteil des Bundesgerichtshofes vom 18. Dezember 1973 (BGHZ 62, 54) aufgehoben hat.
- OLG Frankfurt, 02.10.2007 - 19 U 8/07
Sachverständige - Schadensersatz gegen Sachverständigen
In der Rechtssprechung ist anerkannt, dass ein in einem gerichtlichen Verfahren tätiger Gutachter für eine Verletzung der in § 823 Abs. 1 BGB genannten Rechtsgüter dann - und nur dann - haftet, wenn die Verletzung auf einer Falschbegutachtung beruht und das Gutachten in grob fahrlässiger Weise oder vorsätzlich falsch erstellt wurde (BVerfG NJW 1979, 305; BGH NJW 1974, 312; OLG Schleswig NJW 1995, 791). - BGH, 03.02.1987 - VI ZR 32/86
Urkundenfälschung als Schutzgesetz
- OLG Düsseldorf, 17.03.2005 - 5 U 123/04
Sachverständige - Nicht jede Falschbegutachtung ist ein Falscheid!
Das setzt voraus, dass der Beklagte einen fahrlässigen Falscheid geleistet hat (vgl. OLG Düsseldorf NJW 1986, 2891; OLGR Rostock 2001, 194; Hanseat. OLG OLGR Hamburg 2001, 57; BGHZ 62, 54). - OLG Koblenz, 26.01.2011 - 2 Ws 19/11
Honoraranspruch des Sachverständigen bei vom Gericht ncht verwerteten Gutachten
Zu deren Sicherung und damit im Interesse einer funktionierenden und geordneten Rechtspflege wäre es verfehlt, dem Sachverständigen schon im Falle leichten Verschuldens an der Unverwertbarkeit seines Gutachtens einen Entschädigungsanspruch zu versagen und ihn damit - wenn auch unbewusst - je nach Ergebnis seiner Arbeit dem Druck und der Drohung möglichen Rückgriffs auszusetzen (vgl. BGHZ 62, 54; OLG Düsseldorf in NJW-RR 1997, 1353). - OLG Brandenburg, 11.01.2000 - 11 U 137/99
Haftung des Sachverständigen für fehlerhaftes Verkehrswertgutachten
b) § 410 ZPO ist, worauf der Senat vorsorglich hinweist, kein Schutzgesetz im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB (BGH in st. Rspr., BGHZ 42, 313; 62, 54;… Zöller/Greger, ZPO , 19. Aufl. § 410 , Rn. 4 m. w. N.). - OLG Zweibrücken, 20.03.2003 - 4 U 35/02
Verjährung des Schadensersatzanspruchs gegen einen gerichtlichen Sachverständigen
Ein Schadensersatzanspruch wäre allenfalls aus Delikt denkbar und zwar - da der Rechtsvorgänger der Beklagten sein Gutachten unter Eid erstattet hatte (vgl. Bl. 32 d.A.) - aus §§ 823 Abs. 2 BGB i.V.m. 154 bzw. 163 StGB oder aus § 826 BGB (vgl. dazu etwa BGHZ 62, 54, 56 ff.; BGH MDR 1957, 29, 30; OLG Hamm NJW-RR 1998, 1686; OLG Düsseldorf NJW 1986, 2891;… Palandt/Thomas, BGB 61. Aufl. § 823 Rdn. 117 und § 826 Rdn. 26;… Zöller/Greger, ZPO 23. Aufl. § 402 Rdn. 10, jew. m.w.N.). - OLG Nürnberg, 02.03.1988 - 9 U 779/85
Schadensersatz und Schmerzensgeld; Sachverständigenhaftung; Grob fahrlässige …
Daß die Beklagte als vom Gericht hinzugezogene psychiatrische Sachverständige unter dem Gesichtspunkt der unerlaubten Handlung für eine auf grob fahrlässiger Falschbegutachtung beruhende Verletzung der in § 823 BGB genannten Rechtsgüter haftet, entspricht der Rechtsprechung des BVerfG (NJW 1979, 305 ; vgl. auch: BGH NJW 1968, 787; 1974, 312, 313). - LG Marburg, 19.07.1995 - 5 O 33/90
- OLG Nürnberg, 08.09.2011 - 8 U 2204/08
Sachverständige - Lebensführung einer Partei kritisiert: Keine Entschädigung!
- OLG Köln, 10.12.2003 - 11 U 188/01
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